14. Kapitel: Die soziale Lage der Juden und ihre Beschränkungen II

Eine große Zahl der christlichen Vorschriften ist darauf berechnet, den Juden von der Gemeinschaft mit Christen fernzuhalten und den Christen den Umgang und nähere Berührungen mit Juden zu untersagen.
Sehr erklärlich ist, dass die Kirche es ihren Angehörigen von jeher verbot, mit Juden zusammen zu speisen.

Wegen der jüdischen Ritualgesetze über das Schlachten, den Genuss und die Zubereitung des Fleisches erhielten die Juden an verschiedenen Orten besondere Fleischbanken. Es war den Christen verboten, dort Fleisch zu kaufen. 1433 gestattete der Rat von Frankfurt den Juden nur innerhalb der vier Wochen von 28. Oktober bis 25. November Rindfleisch zu kaufen. In manchen Städten sollten Juden in der Fastenzeit keine Fische kaufen, um den Preis nicht zu verteuern. Sie durften die Fische auf dem Markt auch nicht berühren.

Juden und Christen durften nicht zusammen baden und mussten getrennte Badehäuser unterhalten.

Um die Ausbreitung des Judentums zu verhindern, haben Kirche und Staat schon in alter Zeit den Juden verboten, christliche Sklaven und Dienstboten zu halten. Schon die häufige Wiederholung des Verbotes zeigt, dass es keine allgemeine Beachtung fand. Die Päpste beklagten sich immer wieder, dass die Juden doch christliche Sklaven und Dienstboten hielten. Auch war der Staat nur selten geneigt, die Kirche bei der Durchsetzung des Prinzips zu unterstützen. Auch in Deutschland wurden die kirchlichen Gebote nicht beachtet. Der Bischpf von Speyer erlaubte den Juden im Jahr 1084 christliche Ammen und Dienstboten zu halten. König Heinrich IV. bestätigte dies der Gemeinde von Speyer. Er verbot es auch, ihnen die nichtchristlichen Knechte durch die Taufe zu entziehen. Es half auch nichts, dass die Päpste und Synoden für Deutschland das alte Gebot immer von neuem einschärften. Strenger wurde man erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, als auch im Leben eine feindseligere Haltung eintrat. So wurde es 1452 den Hebammen in Regensburg zur Pflicht gemacht, keine Jüdinnen zu besuchen.

Kleidervorschriften
Die drückendste und erniedrigendste Vorschrift war aber, dass die Juden an ihrer Kleidung besondere Zeichen tragen mussten. Damit solllte die Absonderung der Juden von den Christen auch praktisch durchgefürt werden. 1215 gebot Papst Innozenz III. auf dem vierten Laterankonzil, dass alle Juden und Jüdinnen (sowie alle Muslime) in der ganzen Christenheit sich durch ihre Kleidung von den anderen Nationen unterscheiden sollten. Als Motiv dafür gab er an, dass nur so Ehen und Vermischungen zwischen Juden und Christen vermieden werden können.
Die Vorschrift wurde in allen christlichen Ländern verkündet und später mit speziellen Verordnungen über Form und Farbe der Abzeichen und wo sie zu tragen seien ergänzt. So wie in manchen Ländern einige Zeit nach dem Konzil das Judenzeichen noch nicht eingeführt wurde, so scheint es auch in Deutschland erst allmählich zur Durchführung gekommen zu sein. Papst Gregor IX. beschwerte sich 1233 darüber, dass in manchen deutschen Provinzen das Abzeichen nicht getragen würde. Im 13. und 14. Jahrhundert verlangte man von den deutschen Juden, sie sollten einen besonderen gehörnten Hut und keine Kapuze tragen. Die deutschen Provinzialkonzilien schrieben nur den Hut vor. In der Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels trägt der Jude einen langen Bart und einen spitzen Hut von gelber Farbe. In der Wolfenbütteler Handschrift ist der Hut blau. In Nürnberg trugen die Juden einen roten Hut. Auch der Schwabenspiegel, der mit besonderer Vorliebe die Rechtsbeschränkungen der Juden aufzählt, schreibt nun vor, dass sie einen spitzen Hut tragen sollen. Von den Vorschriften, dass die Juden gelbe oder rote Ringe oder radförmige Abzeichen auf ihren Kleidern, auf Brust oder Rücken, oder die Frauen an ihren Schleiern, tragen sollten, wie sie schon bald nach dem Laterankonzil in Frankreich, Spanien, Italien und Ungarn erlassen wurden, findet sich im 13. und 14. Jahrhundert in Deutschland keine Spur. Erst seit den Dreißigerjahren des 15. Jahrhunderts werden diese Zeichen auch von den deutschen Juden verlangt.
1435 befahl König Sigismund, die Augsburger Juden sollten gelbe Ringe auf ihren Kleidern tragen. 1451 erließ Nikolaus Cusanus eine detaillierte Vorschrift auf der Bamberger Provinzialsynode: die Männer sollten auf der Brust einen gelben Ring tragen, der mindestens einen Durchmessesr von einer Fingerlänge aufwies. Die Frauen sollten zwei blaue Streifen am Kopfputz tragen. Diesselbe Bestimmung wurde dann in den folgenden Jahren an verschiedenen Orten von der Geistlichkeit wiederholt.

Der Prophet Daniel mit dem Judenhut, Augsburg
Codex St. Peter, Geburt Mariens, Joachim mit dem Judenhut, rechts
Jude mit dem gelben Ring, deutsche Haggada, 15. Jh.
Jüdischer Kaufmann mit dem gelben Ring am Ärmel

Wormser Jude mit dem gelben Ring
Wormser Jüdin mit dem gelben Ring
Abbildung aus dem Sachsenspiegel



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